Im Gegensatz zum Gerichtsgebäude wurde der
Gefängnisbau sehr schlicht angelegt. Er ist schmal und weist eine 2 1/2
geschossige Bauweise auf. Den Gefängnishof umgibt eine fast 5 Meter
hohe Mauer. Interessant ist vielleicht noch, dass bei der Planung
ausdrücklich auf den vorhandenen Baumbestand Rücksicht genommen worden
ist, wenn auch nicht aus ökologischen, sondern aus
"malerischen" Gründen. Der Zellentrakt wurde so angeordnet,
dass er von der Straße nicht zu sehen war. Außerdem war
vorgeschrieben, dass eine hohe Mauer den Blick von der Grundschule zum
Gefängnis versperren sollte.
Das Gericht wurde durch ein schmales Zwischen-
gebäude
mit dem Zellentrakt verbunden. Es diente früher dem
Justizvollzugsbeamten und seiner Familie als Wohnung, in der auch für
die Gefangenen ge- kocht wurde. Nach dem Krieg diente das Gefängnis zur Unterbringung
von Untersuchungshäftlingen.
"Damals" - so erzählt die
damalige Hilfskraft und spätere Justizvollzugs- beamte Kurt Gohlke -
"zwischen 46 und 48 war das Gefängnis oft hoffnungslos
überbelegt. In den 3 Einzelzellen und der Gemeinschaftszelle mit 6
Pritschen waren häufig bis zu 16 Gefangene untergebracht. Diese
Gefangenen saßen meistens wegen Mundraub ein. Das heißt, sie hatten in
den Jahren des Hungers Hühner- oder Gänsediebstahl begangen. Ich
erinnere mich noch an zwei junge Leute aus dem Ruhrgebiet. Sie waren zum
Hamstern aufs Land gekommen und hatten sich dann "2 herumstehende
Fahrräder ausgeliehen". Sie wurden kurz darauf geschnappt und zu
uns ins Gefängnis gebracht. Sobald die Insassen verurteilt waren,
wurden sie entweder freigelassen, weil mit der Untersuchungshaft ihr
Strafmaß bereits abgegolten war, oder sie wurden nach Minden
überführt."
Der Tagesablauf sah damals sehr eintönig aus.
Untergebracht wurden die Häftlinge in Zellen, die ausgestattet waren
mit einer Holzpritsche, Schemel, Tisch, Spiegel, Wandschrank mit Napf
und Besteck. Geheizt wurde mit Kohleöfen, die nur vom Flur aus zu
bedienen waren. Menschliche Bedürfnisse waren auf einem Kübel zu
verrichten. Der wurde dann in der so genannten Spülküche entleert und
gesäubert. Zweimal am Tag gab es eine halbe Stunde Freilauf auf dem
Gefängnishof. Der war damals rundherum mit Platten belegt, auf denen
marschiert werden musste.
Ab 1959 gab es dann keine Gefangenen mehr im
Petershäger Gefängnis. Nur noch jugendliche Arrestanten verbrachten
ihre Wochenenden von Samstag 15 Uhr bis Montag 6 Uhr hier. Bis zu 4
Wochenenden konnte die Strafe betragen. Bei ihnen handhabte es der
Vollzugsbeamte Kurt Gohlke nicht mehr so streng. Wenn sie ankamen,
wurden sie gefragt, ob sie vielleicht im Garten mitarbeiten wollten.
Manche nahmen das Angebot dankbar an, da ihnen ihre Strafe mehr als
unangenehm war, andere zogen es vor, die Zeit in der Zelle zu
verbringen. Die Freizeitgestaltung war allerdings sehr einge- schränkt.
Lesestoff durfte nur in kleinen Mengen mit hineingenommen werden, sonst
gab es nichts. Speisen und Getränke wie auch Zigaretten durften nicht
mitgebracht werden. Allerdings versuchte immer wieder jemand, Zigaretten
mit einzuschmuggeln. Einer, so erzählt K. Gohlke, musste sich einmal
völlig nackt ausziehen. Dabei kamen viele Zigaretten und Streichhölzer
zu Tage. Ihm wurde alles abgenommen und am Montagmorgen wiedergegeben.
Das Essen war für die heutigen Verhältnisse sehr
kärglich. Pro Tag standen dem Gefangenen 1250 g Brot und ein Krug
Wasser zu. Sonntags kam noch ein Suppe bestehend aus 10 g Fett und 50 g
Nährmitteln hinzu. Später wurde es üppiger. Die Arrestanten erhielten
zum Brot noch 50 g Margarine und Marmelade oder Wurst.
Viele der Eingesperrten bekamen in der Zelle einen
Zellenkoller. Der Arzt musste oft geholt werden. Und die Ehefrau von
Kurt Gohlke über die damalige Zeit: "Ich bin froh, dass es vorbei
ist. Angst hatte ich eigentlich immer, dass etwas passieren
könnte."
1978 wurde dann das Gefängnis geschlossen. Lange Zeit
diente es der Lagerung von Grundbüchern. Jetzt hat das alte,
traditionsreiche Gebäude wieder eine neue Bestimmung und neue
"Insassen".
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