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Rast im Knast

Altes Amtsgericht

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Altes Foto vom Gefängnis

Das alte Gefängnis

Altes Foto vom Amtsgericht

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein Neubau des Gerichtes und Gefängnisses auf- grund des Platz- mangels im alten Gebäude notwendig. 1913 baute man das jetzige "Alte Amtsgericht" mit seinem Ge- fängnis für 7 Gefangene.

Zellentür vor der Renovierung

 

 

Im Gegensatz zum Gerichtsgebäude wurde der Gefängnisbau sehr schlicht angelegt. Er ist schmal und weist eine 2 1/2 geschossige Bauweise auf. Den Gefängnishof umgibt eine fast 5 Meter hohe Mauer. Interessant ist vielleicht noch, dass bei der Planung ausdrücklich auf den vorhandenen Baumbestand Rücksicht genommen worden ist, wenn auch nicht aus ökologischen, sondern aus "malerischen" Gründen. Der Zellentrakt wurde so angeordnet, dass er von der Straße nicht zu sehen war. Außerdem war vorgeschrieben, dass eine hohe Mauer den Blick von der Grundschule zum Gefängnis versperren sollte.

Das Gericht wurde durch ein schmales Zwischen- gebäude mit dem Zellentrakt verbunden. Es diente früher dem Justizvollzugsbeamten und seiner Familie als Wohnung, in der auch für die Gefangenen ge- kocht wurde. Nach dem Krieg diente das Gefängnis zur Unterbringung von Untersuchungshäftlingen.

 "Damals" - so erzählt die damalige Hilfskraft und spätere Justizvollzugs- beamte Kurt Gohlke - "zwischen 46 und 48 war das Gefängnis oft hoffnungslos überbelegt. In den 3 Einzelzellen und der Gemeinschaftszelle mit 6 Pritschen waren häufig bis zu 16 Gefangene untergebracht. Diese Gefangenen saßen meistens wegen Mundraub ein. Das heißt, sie hatten in den Jahren des Hungers Hühner- oder Gänsediebstahl begangen. Ich erinnere mich noch an zwei junge Leute aus dem Ruhrgebiet. Sie waren zum Hamstern aufs Land gekommen und hatten sich dann "2 herumstehende Fahrräder ausgeliehen". Sie wurden kurz darauf geschnappt und zu uns ins Gefängnis gebracht. Sobald die Insassen verurteilt waren, wurden sie entweder freigelassen, weil mit der Untersuchungshaft ihr Strafmaß bereits abgegolten war, oder sie wurden nach Minden überführt."

Der Tagesablauf sah damals sehr eintönig aus. Untergebracht wurden die Häftlinge in Zellen, die ausgestattet waren mit einer Holzpritsche, Schemel, Tisch, Spiegel, Wandschrank mit Napf und Besteck. Geheizt wurde mit Kohleöfen, die nur vom Flur aus zu bedienen waren. Menschliche Bedürfnisse waren auf einem Kübel zu verrichten. Der wurde dann in der so genannten Spülküche entleert und gesäubert. Zweimal am Tag gab es eine halbe Stunde Freilauf auf dem Gefängnishof. Der war damals rundherum mit Platten belegt, auf denen marschiert werden musste.

Ab 1959 gab es dann keine Gefangenen mehr im Petershäger Gefängnis. Nur noch jugendliche Arrestanten verbrachten ihre Wochenenden von Samstag 15 Uhr bis Montag 6 Uhr hier. Bis zu 4 Wochenenden konnte die Strafe betragen. Bei ihnen handhabte es der Vollzugsbeamte Kurt Gohlke nicht mehr so streng. Wenn sie ankamen, wurden sie gefragt, ob sie vielleicht im Garten mitarbeiten wollten. Manche nahmen das Angebot dankbar an, da ihnen ihre Strafe mehr als unangenehm war, andere zogen es vor, die Zeit in der Zelle zu verbringen. Die Freizeitgestaltung war allerdings sehr einge- schränkt. Lesestoff durfte nur in kleinen Mengen mit hineingenommen werden, sonst gab es nichts. Speisen und Getränke wie auch Zigaretten durften nicht mitgebracht werden. Allerdings versuchte immer wieder jemand, Zigaretten mit einzuschmuggeln. Einer, so erzählt K. Gohlke, musste sich einmal völlig nackt ausziehen. Dabei kamen viele Zigaretten und Streichhölzer zu Tage. Ihm wurde alles abgenommen und am Montagmorgen wiedergegeben.

Das Essen war für die heutigen Verhältnisse sehr kärglich. Pro Tag standen dem Gefangenen 1250 g Brot und ein Krug Wasser zu. Sonntags kam noch ein Suppe bestehend aus 10 g Fett und 50 g Nährmitteln hinzu. Später wurde es üppiger. Die Arrestanten erhielten zum Brot noch 50 g Margarine und Marmelade oder Wurst.

Viele der Eingesperrten bekamen in der Zelle einen Zellenkoller. Der Arzt musste oft geholt werden. Und die Ehefrau von Kurt Gohlke über die damalige Zeit: "Ich bin froh, dass es vorbei ist. Angst hatte ich eigentlich immer, dass etwas passieren könnte."

1978 wurde dann das Gefängnis geschlossen. Lange Zeit diente es der Lagerung von Grundbüchern. Jetzt hat das alte, traditionsreiche Gebäude wieder eine neue Bestimmung und neue "Insassen".

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